DIE ALTE HAUPTORGEL (1856 - 1944)

Die Ibach-Weigle-Orgel (1856 - 1944)

1856 wurde die Konstantin-Basilika eine evangelische Kirche. Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. hatte den ehemaligen Thronsaal Kaiser Konstantins wiederherstellen lassen. Die neue Kirche erhielt den Namen „Evangelische Kirche zum Erlöser“. Bei der Einweihung war der Monarch selbst zugegen. So gehörte er zu den ersten, die am 28. September 1856 die Hauptorgel in dem klassizistisch geprägten Kirchensaal hören konnten. Geschaffen wurde das imposante Instrument von der Firma Orgelbau Ibach aus Wuppertal-Barmen, die von 1794 bis 1904 als Orgelbaubetrieb existierte. Später widmete sich Ibach ausschließlich dem Bau von Klavieren und Flügeln und wurde damit weithin bekannt. Die Orgel erhielt ihren Platz auf einer dem Altarraum gegenüberliegenden Empore. Diese ruhte auf acht 8,70 m hohen Säulen. Das Gehäuse des Instrumentes war 15,10 m hoch, 10,60 m breit und 5 m tief und beherbergte 40 Register, die von drei Manualen und Pedal aus spielbar waren. In den zwei halbrunden Pedaltürmen standen dreißig Pfeifen des Prinzipalbass 32´. In seinem Gutachten aus dem Jahre 1857 zählt der damalige Königliche Musikdirektor Prof. Bischoff aus Köln das Instrument, welches ungemein klangschön gewesen sein muss, „zu den trefflichsten Werken der neueren Zeit“.
1913 wurde die Basilika-Orgel durch die Firma Friedrich Weigle (Echterdingen bei Stuttgart) umgebaut und auf 50 Register (insgesamt 3190 Pfeifen) erweitert. Das Instrument hatte eine rein pneumatische Traktur und Membranenladen. Es erklang in fertigem Zustand erstmals am 14. Oktober 1913 in Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. Zu dieser Zeit besaß Trier auf engstem Raum drei große Orgeln der Firma Weigle: im Trierer Dom (1901), in der Liebfrauenkirche (1910) und in der Konstantin-Basilika. Im amtlichen Gutachten über die Basilika-Orgel, verfasst vom damaligen Domorganisten Ludwig Boslet, heißt es: „Der neue Spieltisch ist für sich schon ein Kunstwerk und eine Sehenswürdigkeit. Charakteristische Intonation dokumentieren sämtliche Register. Hervorragend schön klingen die Trompeten, Clarinette, Oboe und Tuba. Fugara 4´, die 3 Seraphonregister, Gamba und Voix célèste sind im Solo wundervoll. Die Firma Weigle hat in dieser Meisterarbeit den alten Ruhm in neue Politur gestellt.“ Dem Zweiten Weltkrieg fielen sowohl die Orgel als auch die Inneneinrichtung der Basilika zum Opfer.

Disposition Ibach / Weigle-Orgel

DIE ZERSTÖRUNG IM KRIEG (1944 - 1956)

Zerstörung und Wiederaufbau (1944 - 1956)

Am 14. August 1944 entluden 10 Bomber ihre todbringende Fracht über dem Trierer Stadtzentrum. Von der Porta Nigra bis zu den Kaiserthermen brannten die Gebäude. Neben anderen Baudenkmälern ging auch die Basilika in Flammen auf. Feuerwehrleute mussten hilflos mit ansehen, wie der Dachstuhl ausbrannte und das Kircheninnere zerstörte. Die Leitern reichten nicht weit genug empor. Zeitzeugen berichten: Als der Dachstuhl so richtig brannte, habe die Orgel zu spielen begonnen. Von alleine. Der Feuersturm sei durch die Pfeifen gefahren und habe ein gespenstisches Konzert entfacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Konstantin-Basilika erneut als Evangelische Kirche zum Erlöser wieder errichtet. Für die neue Kirche wurde eine steinsichtige Architektur bevorzugt.
In Gegenwart des Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde die Evangelische Kirche zum Erlöser ein zweites Mal eingeweiht – am 9. Dezember 1956, 100 Jahre nach der ersten Einweihung als Evangelische Kirche.
Die heutige Kirche präsentiert sich in einer zurückhaltenden Form. An den Steinen kann die wechselhafte Geschichte des Gebäudes abgelesen werden. Eine theologisch angemessene Gestaltung: Wenn der Altar ungefähr dort steht, wo sich einst der Thron römischer Kaiser befand, muss das Gebäude in seiner ganzen Gestalt sichtbar machen: Alles das, was wir mit Jesus Christus und seinem „Reich Gottes“ verbinden, ist etwas völlig anderes als kaiserliche Gewalt oder die Macht jedweder politischer Obrigkeit.
So atmet diese Kirche heute den Geist von Großartigkeit und Bescheidenheit gleichermaßen. Sie lässt 1700 Jahre Kultur- und Kirchengeschichte im Herzen Europas sichtbar werden.



DIE HEUTIGE CHOR-ORGEL (seit 1962)

Die Schuke-Orgel (seit 1962)

Nach der 1956 erfolgten Wiedereinweihung erhielt die Konstantin-Basilika im Jahre 1962 eine neue Orgel mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur. Erbaut wurde sie von der Berliner Orgelbaufirma Karl Schuke. Dem asketischen Restaurierungsverständnis dieser Zeit entsprach der Standort der neuen Orgel, die in den vorderen Fensterbogen der Ostwand hineingebaut wurde.
Neben denkmalpflegerischen Gesichtspunkten waren auch liturgische Argumente (Dreieck Kanzel-Altar-Orgel) für diesen auch akustisch günstigen Standort entscheidend. Angesichts der geringen Größe des Instrumentes, bezogen auf den umgebenden Raum, kann man von der heutigen Orgel am ehesten als Chororgel sprechen.
Der Prospekt verdeutlicht den klaren Werkaufbau: das Oberwerk ist über dem Hauptwerk angeordnet, die 16´-Prinzipale des Pedals rahmen diese Mitte ein, deren einziges in den Raum hineinragendes Element die Spanischen Trompeten 8´ und 4´ bilden.
Es handelt sich bei der Schuke-Chororgel um ein klanglich sehr homogenes und ausgezeichnet intoniertes Instrument, das allerdings aufgrund seiner räumlich bedingten Beschränkung auf nur 30 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal, die Orgelliteratur ab dem frühen 19. Jahrhundert entweder gar nicht oder nur mit
unseriösen künstlerischen Kompromissen darstellbar macht.
So hervorragend die Chororgel auch für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts geeignet ist, so bedauerlich ist die Tatsache, dass ein Großteil der Orgelliteratur für dieses Instrument verloren ist – in einem Raum, der mit seiner idealen Orgelakustik den großen europäischen Kathedralen klanglich in nichts nachsteht.

Disposition Schuke-Orgel

DIE NEUE HAUPTORGEL

Die Eule-Orgel

Mit dem Bau einer neuen Hauptorgel wurde der Wiederaufbau der Konstantin-Basilika, der Evangelischen Kirche zum Erlöser, nach dem Zweiten Weltkrieg vollendet.
Im Jahr 2014 erhielt die UNESCO-Welterbestätte wieder ein Instrument, das ihrer Größe und ihrer Bedeutung als Kirchenraum angemessen ist.
Erbaut wurde die neue Orgel, die 87 Register, verteilt auf 4 Manuale und Pedal, umfasst, von der Orgelbaufirma Hermann Eule (Bautzen). Für die äußere Gestaltung zeichnet das Architekturbüro Auer Weber (Stuttgart / München) verantwortlich.
Die symphonische Eule-Orgel der Basilika ist technisch in jeder Hinsicht ein Instrument des 21. Jahrhunderts und bietet klanglich weitreichende Möglichkeiten zur Darstellung jeglicher Orgelmusik ab dem 18. Jahrhundert bis heute. Jeder der insgesamt fünf Klaviaturen ist ein bestimmtes Werk zugeordnet:
Das erste Manual spielt das Hauptwerk an, das zweite Manual das Schwellwerk, das dritte Manual das sogenannte Récit expressif  und das vierte Manual die Werke Orchestral und Solo. Hinzu kommt die Pedalklaviatur. Die Werke des zweiten, dritten und vierten Manuals stehen in einem Schwellkasten, dessen frontseitig angebrachte Holzjalousien sich vom Spieler mittels eines Balanciertritts öffnen und schließen lassen. So wird eine stufenlose Steigerung und Zurücknahme der Klangstärke ermöglicht – ein wesentliches Erfordernis für die Orgelmusik der Romantik und Moderne.
Schon in der Benennung der einzelnen Werke wird deutlich, dass hier länderspezifische Klangcharakteristika eine besondere Rolle spielen. Das Hauptwerk ist dabei dem deutschen hoch- und spätbarocken Registerfundus verpflichtet (z.B. J.S. Bach). Das Schwellwerk ist deutsch-romantisch disponiert (z.B. für Werke von Max Reger, Franz Liszt etc.). Das Récit orientiert sich an der französisch-romantischen Klanglichkeit (z.B. für Musik von César Franck, Charles-Marie Widor oder Marcel Dupré). Im vierten Manual finden sich Klangfarben der englischen Romantik (z.B. ein voll ausgebauter Streicherchor) sowie besondere Hochdruck-Register wie die Tuba imperialis. Weitere anglo-amerikanische Farbtupfer sind über die ganze Orgel verteilt.
Wie ein Maler Farbmischungen für seine Bilder oder ein Koch bestimmte Zutaten zum Gelingen eines besonderen Gerichtes gezielt einsetzt,ist es nun möglich, mit genau den Klangfarben zu arbeiten, die den Komponisten ab dem frühen 19. Jahrhundert für ihre Orgelwerke vorschwebten - von den
geradezu unerschöpflichen Möglichkeiten für improvisierte Musik ganz zu schweigen.
Neben dem Hauptspieltisch direkt am Orgelgehäuse auf der Südwand gibt es einen mobilen Zweitspieltisch zu ebener Erde, der z.B. einen nahtlosen Wechsel zwischen Orgelspiel und Chordirigat sowie das Zusammenspiel mit jeder denkbaren Instrumental- oder Vokalbesetzung ermöglicht.

Disposition Eule-Orgel