Die neue Eule-Orgel der Basilika - Eine Annäherung

Die neue Eule-Orgel der Basilika wird technisch in jeder Hinsicht ein Instrument des 21. Jahrhunderts sein. Es bietet klanglich vielfältige Möglichkeiten zur Darstellung jeglicher Orgelmusik ab dem 18. Jahrhundert bis heute.

Beauftragt wird eine Orgel mit 87 Registern (Klangfarben) auf vier Manualen (Tastenreihen) und Pedal (Tastenreihe für die Füße). Jedem der insgesamt fünf Klaviaturen ist ein bestimmtes Werk zugeordnet:

Das erste Manual spielt das Hauptwerk an, das zweite Manual das Schwellwerk, das dritte Manual das sogenannte Récit und das vierte Manual nennt sich Orchestral / Solo. Hinzu kommt die Pedalklaviatur.

Die Werke des zweiten, dritten und vierten Manuals stehen in einem Schwellkasten, dessen frontseitig angebrachte Holzjalousien sich vom Spieler mittels eines Balanciertritts öffnen und schließen lassen. So wird eine stufenlose Steigerung und Zurücknahme der Klangstärke ermöglicht - ein wesentliches Erfordernis für die Orgelmusik der Romantik und Moderne.

Schon in der Benennung der einzelnen Werke wird deutlich, dass hier länderspezifische Klangcharakteristika eine besondere Rolle spielen.

Das Hauptwerk ist dabei dem deutschen hoch- und spätbarocken Registerfundus verpflichtet (z.B. J.S. Bach). Das Schwellwerk ist deutsch-romantisch disponiert (z.B. für Werke von Max Reger, Franz Liszt etc.). Das Récit orientiert sich an der französisch-romantischen Klanglichkeit (z.B. für Musik von César Franck, Charles-Marie Widor oder Marcel Dupré). Im vierten Manual finden sich Klangfarben der englischen Romantik (z.B. ein voll ausgebauter Streicherchor) sowie besondere Hochdruck-Register wie die Tuba imperialis. Weitere anglo-amerikanische Farbtupfer sind über die ganze Orgel verteilt.

Wie ein Maler Farbmischungen für seine Bilder oder ein Koch bestimmte Zutaten zum Gelingen eines besonderen Gerichtes gezielt einsetzt, wird es in Zukunft möglich sein, mit genau den Klangfarben zu arbeiten, die den Komponisten ab dem frühen 19. Jahrhundert für ihre Orgelwerke vorschwebten - von den geradezu unerschöpflichen Möglichkeiten für improvisierte Musik ganz zu schweigen.

Geplant ist - neben dem Hauptspieltisch direkt am Orgelgehäuse auf der Südwand - ein fahrbarer Zweitspieltisch zu ebener Erde. Dieser wird einen nahtlosen Wechsel zwischen Orgelspiel und Chordirigat sowie das Zusammenspiel mit jeder denkbaren Instrumental- oder Vokalbesetzung ermöglichen.

Im Jahr 2013 wird die Orgel zunächst in der Bautzener Werkstatt der Firma Eule Stück für Stück entstehen und dort erstmals zu einem funktionierenden Ganzen zusammengefügt. Anschließend wird sie wieder in ihre Einzelteile zerlegt, nach Trier gebracht und in der Basilika erneut montiert - diesmal dann dauerhaft. Die drei miteinander verbundenen Orgelkörper werden statisch allein von der Südwand getragen werden, was mit Hilfe von drei stählernen Körben als Bestandteil des Tragwerks der Orgel möglich wird.

Die Phase des Aufbaus in der Kirche ist für den Zeitraum März bis Mai 2014 geplant, während dem der hintere Bereich der Kirche als Bauabschnitt abgeteilt werden wird. Von Juni bis Dezember 2014 wird dann der wichtigste Abschnitt des gesamten Bauvorhabens erfolgen: die Intonation. Hierbei wird jede einzelne der insgesamt 6.006 Pfeifen in ihrem Klangcharakter auf den Raum hin optimiert. Nach dem heutigen Stand der Planung dürfte die neue Hauptorgel am 1.Advent 2014 das erste Mal erklingen.