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Pralinen der Weisheit – oder: Wie Herzensbildung in Krisen hilft

Theologische Impulse (117) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

TheologischeImpulse117
Im Buch Prediger, in Kohelet 7, geht es um eine besondere Verbindung von Wissen, Lebenseinsicht, Humanität, kritischer Selbstreflexion und Glauben. Es geht um Weisheit. Was etwas anderes meint als bloße Lebensklugheit, Erfahrungswissen oder gar Cleverness. Es geht um eine tief in Gott gründende, glaubensgesättigte Haltung zur Welt, zum Leben, zu sich selbst.

Die Weisheit, so heißt es an einer anderen Stelle, spielte vor Gott bei der Gründung der Welt. Sie zu ergründen, bedeutet, dem Geheimnis der Welt, des eigenen Lebens auf der Spur zu sein, wie zugleich den Schöpfungsgedanken Gottes. Diesen Zusammenhang halte ich für zentral für unsere Zukunft. Weil es eben nicht nur um bloße Wissensvermehrung geht, sondern darum, wie wir es – um Gottes und des Menschen willen – schaffen, dauerhaft mit allen anderen Geschöpfen auf diesem Planeten zu leben, wie wir verantwortlich mit unserem Wissen umgehen und wie wir bei dieser Aufgabe weder verzweifeln noch zynisch werden noch in die Fallen unserer eigenen Herzensblödigkeit tappen.

Nun, bei solchen Weisheitstexten ist es wie mit Pralinen. Sie sind köstlich zubereitet, feingeistige Konfiserie. Die Kunst ist nur: Man darf nicht gleich die ganze Packung essen. Sonst schlägt es einem auf den Magen. Oder noch viel schlimmer: Es geht auf die Hüften. Daher: ein paar Pralinen der Weisheit – mundgerecht verpackt.

1. Ehrfurcht vor Gott als Schöpfer allen Lebens
„Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit.“
Das ist der Cantus firmus, die Grundeinsicht der ganzen Weisheitsliteratur. Wir verstehen die Schöpfung, das Leben, uns selbst nur in einer Haltung der Ehrfurcht: vor dem Leben (so hat es Albert Schweitzer formuliert), genauer: vor Gott als Schöpfer des Lebens. Leider steigen atheistisch denkende Menschen an dieser Stelle oft aus. Obwohl ich glaube, dass Atheisten von der Ehrfurcht Gottes mitunter mehr verstanden haben als manche Frommen. Um es mit dem katholischen Theologen Karl Rahner zu sagen: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.“ Die Frage nach Gott als Grund unseres Hoffens, wo sonst keine Hoffnung mehr ist, als Ziel unseres Lebens, als Garant einer Gerechtigkeit auch über den Tod hinaus werden wir nicht los.

Oder um es mit den Worten des Literaten David Foster Wallace zu sagen: „In den alltäglichen Grabenkämpfen des Erwachsenendaseins gibt es keinen Atheismus. Jeder betet etwas an. Und es ist ein äußerst einleuchtender Grund, sich dabei für eine Gottheit oder ein höheres Wesen zu entscheiden. Denn so ziemlich alles andere frisst Sie bei lebendigem Leibe auf.“

2. Integrität
„Unrechter Gewinn macht den Weisen zum Toren,
und Bestechung verdirbt das Herz.
Sei nicht schnell, dich zu ärgern;
denn Ärger ruht im Herzen des Toren.“
Das klingt fast wie ein antikes Wissenschaftsethos. „Sine ira et studio“, ohne Zorn und Eifer – so soll Forschung heute wie die Suche nach Weisheit damals geschehen. Und natürlich jenseits von Korruption und unlauterem Gewinn. Das ist wichtig auch jenseits aller Compliance-Richtlinien. Achte auf dein Herz, was dich anleitet! Damit du nicht trotz all deines Wissens zum Toren wirst. Ärger, Hochmut, Habgier tun deiner Seele nicht gut.

3. Geduld
„Sprich nicht: Wie kommt's, dass die früheren Tage besser waren als diese? Denn du fragst das nicht in Weisheit. Weisheit […] hilft denen, die die Sonne sehen. Sieh an die Werke Gottes; denn wer kann das gerade machen, was er krümmt? Am guten Tage sei guter Dinge, und am bösen Tag bedenke: Diesen hat Gott geschaffen wie jenen, damit der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.“
Es gibt in unserer Zeit ja einen Hang zur Dystopie und Nostalgie. Die Uhr steht notorisch auf irgendetwas nach zwölf. Und nie waren die Wiesen grüner als in der Vergangenheit. Weisheit ist etwas für uns als Lebende – für die, die Sonne sehen. Deshalb lasst uns weder die Vergangenheit verklären noch vor der Zukunft verzweifeln, die wir gar nicht kennen. Am Ende sind und bleiben wir in Gottes Hand. Gott wird gerade machen, was krumm ist. Lasst uns vielmehr darin üben, dass wir gemeinsam mit den guten und den bösen Tagen unseres Lebens umgehen lernen.

4. Kritik des „allzu“
„Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise,
damit du dich nicht zugrunde richtest.
Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor,
damit du nicht stirbst vor deiner Zeit.
[…] denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.“
Das ist, wie ich finde, eine der überraschendsten Aussagen in der Bibel überhaupt. Und gerade deshalb mag ich sie. „Sei nicht allzu gerecht, weise und gottlos.“ Das meint nicht bequemen Mainstream, kein laues Mittelmaß. Darin steckt meines Erachtens vielmehr eine radikale Ideologiekritik gegenüber allen menschlichen Werten, selbst gegenüber Gerechtigkeit, Weisheit und Religion. Sie alle sind menschlich und fehlbar. Selbst der Gottlosigkeit wird ein Raum eingeräumt. Wie sollte dies auch anders sein angesichts der Klage, von Gott verlassen zu sein, von Hiob bis zu Christus. Sei als Mensch nicht „allzu“ – was auch immer es sein mag. Alleine Gott ist wahrhaft gerecht, weise, vollkommen.

5. Demut
„Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige.
Nimm auch nicht zu Herzen alles, was man sagt, dass du nicht hören musst, wie dein Knecht dir flucht; denn dein Herz weiß, dass du andern auch oftmals geflucht hast.“
Das ist ein weiser Rat, wenn Sie sich das nächste Mal aufregen. Nicht so sehr über Knechte, mit denen gibt es aktuell weniger Probleme. Aber über die Jugend von heute, die Alten, die anderen, die Nachbarn, die Verwaltung, die Politik sowieso oder die Kirche. Schau einmal nach in deinem Herzen. Die schlimmsten Kritiker der Elche … – Sie wissen schon.
Kritisiere den Kritiker in dir! Mach dich ehrlich! Das würde manchem moralischen Diskurs unserer Tage guttun.

6. Grenzen der Erkenntnis
„Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit. Das alles habe ich versucht mit der Weisheit. Ich dachte, ich will weise werden, sie blieb aber ferne von mir. Fern ist, was war, und sehr tief; wer will’s finden?“
Das ist eine Erfahrung, die wohl viele Forschende kennen. Man sucht sein Leben lang nach Wissen, Erkenntnis, Einsicht, vielleicht Weisheit. Und merkt am Ende, wie fern sie einem bleibt. Nein, Gottes Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Oder mit den spitzen Worten von Marc Uwe Kling:
„Es sagt viel über die Welt aus, mein Kind,
sagte der Vater zu dem Knaben,
dass die Dummen glücklich sind
und die Schlauen Depressionen haben.“
Nein, am Ende der Suche nach Weisheit stehen wir wieder am Anfang: bei der Ehrfurcht vor der Unergründlichkeit Gottes als Geheimnis unserer Welt. Und bei dem Vertrauen: Am Ende sind und bleiben wir in Gottes Hand. Das kann helfen, eben nicht depressiv zu werden angesichts der Krisen unserer Zeit. Sondern das zu tun, was wir wissen und können: dass wir als Gäste liebevoll mit diesem schönen Planeten umgehen. Und mit allen anderen Geschöpfen, die darauf leben. Dazu helfe uns Gott. Und Gott segne alle Orte, wo Menschen diese Weisheit lernen.


Weitere Texte: www.glauben-denken.de

Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher

Kontakt: praeses@ekir.de

Bild: pixabay.com

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